Eisfrei: Streusalz auf Naturstein – nicht immer eine gute Idee

Wer sich mit Naturstein im Garten etwas gebaut hat, der ist nicht nur von der Schönheit sondern auch von den technischen Eigenschaften dieses Naturprodukt überzeugt. Nichts kann der schönen Naturstein-Treppe etwas anhaben – Nichts kann den natürlich Eindruck des angelegten Gartenwegs entzaubern. Naturstein hat Gebäude jahrhunderte lang bestehen lassen und ist unverwüstlich. Dieser Eindruck stimmt – grundlegend, aber er trifft nicht auf alle Naturstein zu. Gerade nach den Wintermonaten zeigen sich die unterschiedlichen Eigenschaften der vielen Natursteine.

Die Frostsicherheit

Alle Natursteine haben eine bestimmte Menge von Poren in Ihrem Gefüge, die Kapillaren. Über diese kann der Naturstein Wasser aufnehmen, das über die Oberfläche als Regenwasser, Schmelzwasser oder als Kondenswasser über die Unterseite aufgenommen wird. Aber der Naturstein kann dieses Wasser auch wieder abgeben – der Stein „atmet“ – eine grundlegend sehr positive Eigenschaft. Entscheidet ist, wie viel Wasser der Naturstein speichern kann und was das Wasser gegebenenfalls in gelöster Form mit sich führt.

Einige Weichgesteine, wie Kalksteine, Marmore und Sandsteine können Wasser eine länge Zeit einspeichern. Sollte es bei einem „nassen“ Stein dann zu einer Frostperiode kommen, dann kristallisiert das Wasser mit einer enormen Volumenvergrößerung zu Eis. Der dadurch entstehende Druck kann dann zu Oberflächenabplatzungen oder sogar zum Durchbrechen dünnerer Werkstücke führen. Für die meisten Natursteine liegen entsprechende Frost-Tau Untersuchungen vor und die Natursteine werden in frostsicher, bedingt frostsicher und nicht frostsicher eingeteilt. So gelten Hartgesteine wie Granite fast bedenkenlos als frostsicher. Du sollte jedoch auf jeden Fall immer ein Naturstein-Fachunternehmen bei der Auswahl für den richtigen Naturstein zu Rate zeihen.

Die Streusalzwirkung

Entsprechend des möglichen Wasseraufnahme, beziehungsweise der möglichen Wasserspeicherung stellt sich auch die Frage, was das Wasser für gelöste Bestandteile in den Stein befördert oder aus dem Stein heraus.

Plötzlich bist du wieder überrascht über den großen Kälteeinbruch. Schnee und Eis halten dich auf Trab. Und ehe du dich versiehst greifst du zum Streusalz. Und wenn das ganze Eis weggeschmolzen ist und deine Naturstein-Treppe wieder zum Vorschein kommt, fragst du dich „ob die das wohl abkann“.

Keine Sorge: Bei dem richtigen Naturstein kannst du davon ausgehen, dass kein großes Schades Potential vorhanden ist.

Aber was passiert da eigentlich: Das Streusalz wird in dem Tauwasser gelöst und kann über diesen Weg in die Kapillaren des Natursteins eindringen. Wenn das Salz dann wieder trocknet, dann könnte es zu Abplatzungen durch den Kristallisationsdruck kommen. Hartgesteine können jedoch nicht viel Wasser aufnehmen und somit auch nicht viel schadhaftes Salz in den Stein transportieren. Viele Hartgesteine wurden auch einer Tausalzbeständigkeitsprüfung unterzogen. Bei den wenigen frostsicheren Weichgesteinen empfehle ich dir generell kein Streusalz einzusetzen.

Die Beständigkeitsprüfung für Streusalz heißt aber nur, dass es zu keinen nennenswerten und produkt- beeinträchtigten Schäden kommt. Streusalz kann vereinzelt zu kleineren Oberflächenabplatzungen führen, die jedoch auf der für den Außenbereich eh vorgegebenen rauen Oberfläche kaum ins Gewicht fallen.

Ein größeres Problem kann der Umkehrschluss bei steigenden Temperaturen werden. Es geht ja darum das das Wasser nicht nur gelöste Bestandteile in den Stein hinein befördern kann, sondern auch aus dem Naturstein heraus. Wenn sich also Wasser mit gelöstem Salz im Naturstein befindet und die Temperaturen steigen, dann wird das Wasser verdampfen.
Möchtest du jedoch nicht auf dein Streusalz verzichten, dann lass dich von deinem Natursteinfachmann beraten. Denn im Gegensatz zum Beton, wo es beim Streusalzeinsatz zur Auflösung der zementären Bindung kommt, gibt es beim Naturstein verschiedene Möglichkeiten für dich. Wenn das Wasser mit dem Salz an der Oberfläche des Natursteins verdampft, dann würden dort kristalline „Ausblühungen“ entstehen. Diese sind nur mit etwas mehr Aufwand wieder zu entfernen.

Der Unterbau

Diese Art der „Ausblühungen“ kennen wir auch zu anderen Jahreszeiten. Da liegt es ebenfalls nicht, wie so oft vermutet am Naturstein, sondern in den meisten Fällen an einem nicht fachgerechten Unterbau und/oder einer nicht Naturstein-fachgerechten Verlegung. Dann sind es die gleichen Probleme wie bei Betonprodukten.

Aber bleiben wir im Winter und bei unserem Streusalz-Beispiel. Wir müssen nämlich auch den Einfluss des Salzes auf den Unterbau berücksichtigen. Wenn das in Wasser gelöste Salz durch die Fugenmasse oder Haarrisse in den Unterbau gelangt, dann kannst du ebenfalls das Problem des Kristallisationsdrucks bekommen. Das Salz kann beim Austrocknen so viel Druck aufbauen, dass der Verbund zwischen Natursteinbelag und Verlege Mörtel reißt und die Platte oder Stufe somit locker ist. Darüber hinaus kann es ebenfalls wieder zu Ausblühungen kommen, wenn das Wasser durch den Stein hindurch wieder verdampft.

Fazit:

Der richtige Naturstein mit einer fachlich richtigen Verlegung trotzt den Herausforderungen der kalten Jahreszeit und auch dem Streusalz. Jedoch sollte man, wenn überhaupt nur wenig Streusalz verwenden und nach Möglichkeit nur Granulat benutzen – die Tier- und Umwelt wird es einem Danken.

Und wenn schöner Naturstein auch im Haus liegt, dann bloß aufpassen mit dem Salz an den Schuhen – es könnte ja ein salz-empfindlicher Naturstein sein.